Frühere Büttenreden nochmal aus der Schublade geholt

Helmut Winterhalter lockerte die historischen Büttenreden mit Fasnetliedern auf. Foto: Stefan HeimpelBereits zum vierten Mal hatte der Geschichts- und Heimatverein in die „Arche“ zu alten Büttenreden eingeladen.

Manche Themen waren ganz klar zeitbezogen auf bestimmte Personen oder Ereignisse gerichtet. Andere aber sind, auch wenn sie damals vielleicht ebenfalls auf ein bestimmtes Ereignis hin gemünzt waren, noch immer gültig. Schließlich gibt es zeitlose Unterhaltung mit Themen die immer aktuell sind. Den Auftakt bildete Werner Dold als „Bauhof-Fritz“ mit einer Büttenrede, die er 1986 gehalten hatte. Ein Beispiel für zeitbezogenen Spott und Kritik, beispielsweise an einem Feuerwehrkommandanten, dem Überfall auf Aldi oder Bürgermeister Herb. Immer wieder wechselten die Büttenreden ab mit historischen Furtwanger Fasnet-Liedern vom Male Walzer bis zum Nivea-Lied, schwungvoll begleitet von Helmut Winterhalter mit dem Akkordeon. Zu den Akteuren gehörten auch Mutter und Tochter Leonie und Andrea Klausmann. In einer typischen zeitlosen Büttenreden (von 1978) ließ sich Leonie Klausmann als Fußballmutter über den Sport ihrer Kinder aus, die nur noch „de Balle“ kennen bis dann der Ball auch in der Küche landet und es Rinderbraten mit Ball überbackengibt. In ihrer ersten Büttenrede, „ein frühes Werk von 1995“, hatte Andrea Klausmann bereits ihre Spezialität der Büttenrede mit Bewegung für die Zuhörer entwickelt.

Einen ganz anderen Charakter hatte die Rede von Christel Besenfelder und Rose Seifritz als die beiden Engel Ambrosius I und II. Ihre Büttenrede von 1988 war sehr auf die aktuelle Furtwanger Situation gemünzt, doch in vielen Dingen sicherlich auch heute noch gültig. So ging es um den Wohnbezirk „Monte Bonzo“ mit Fabrikant, Bürgermeister, Chefarzt und Bankdirektor. Es wurde aber auch manche Erinnerungen wach gerufen zum Beispiel an die „Sonne“ mit dem bekannt guten Leberle. Die Krönung war die Büttenrede des früheren Zunftsmeisters Gerhard Stoll, seine erste Rede von 1968, noch im Rößle gehalten, sowie Ausschnitte aus einer späteren Rede. Wehmütig trauerte er der damals still gelegten Bregtalbahn nach und wünschte sich gleichzeitig die Furtwanger Ampeln nach Vöhrenbach verlegt. Der Abend, auch mit Tonaufnahmen anderer historischer Reden, kam beiden Gästen sehr gut an, solche Erinnerungen sind offensichtlich ein großes Bedürfnis.

Stefan Heimpel, Südkurier v. 7.2.2015

Sonntag, 1. Februar 2015 - 15:00 Uhr