Originelle Spende: Schreibmaschine »Mignon«

Schreibmaschine »Mignon« von AEG In der Jubiläumsveranstaltung am 3. Dezember 2015 in der Arche durfte der Geschichts- und Heimatverein von Heiner Bauknecht aus St. Georgen eine etwa 100 Jahre alte Schreibmaschine »Mignon« als Spende in Emfpang nehmen. Zur Geschichte und Technik dieser und weiterer Schreibmaschinen einige Anmerkungen.

Schon ab etwa 1800 gab es Versuche, praktische Schreibgeräte als Ersatz für  Handschriften zu entwickeln. Zum Beispiel baute der Tiroler Peter Mitterhofer eine Schreibmaschine ganz aus Holz und präsentierte sie um 1865 am kaiserlichen Hof in Wien. Der arme Mann konnte damit keinen Erfolg haben. Erst ab Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Serie gefertigte und für den Alltagsgebrauch taugliche Schreibmaschinen von verschiedene Firmen im In- und Ausland.

Die uns überlassene Schreibmaschine mit dem Markennamen »Mignon« wurde ab 1904 bis ca.1926 von AEG in großen Serien gebaut. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Zeigerschreibmaschine. Zum Schreiben führt eine Hand des Bedieners den stiftförmigen Zeiger über ein Tableau, auf dem sämtliche Schriftzeichen inklusive Zahlen und Sonderzeichen aufgeführt sind. Die Position des per Zeiger ausgewählten Schriftzeichens wird mit ausgeklügelter Mechanik auf eine Typenwalze übertragen.  Diese ist dreh- und verschiebbar auf einem senkrecht beweglichen Arm gelagert. Die Typenwalze mit etwa 2 cm Durchmesser trägt am Umfang in mehreren Reihen die erhabenen Schriftzeichen analog dem Tableau. Durch Niederdrücken einer Taste schlägt die Typenwalze auf das zu beschreibende Papier und erzeugt den ausgewählten Abdruck. Zwischen der Typenwalze und dem Papier ist ein bewegliches  Farbband angeordnet.

Die Mignon und weitere Zeigerschreibmaschinen standen in Konkurrenz zu den aufkommenden Typenhebelmaschinen. Diese waren technisch gesehen aufwendiger, aber auch deutlich schneller. Die Tastatur konnte nun beidhändig bedient werden. Sie waren in allen Belangen – mit Ausnahme des Preises – den Zeigermaschinen überlegen.

Nach dem 1. Weltkrieg unternahm die Furtwanger Uhrenfabrik Lorenz Furtwängler Söhne (LFS) den Versuch, Schreibmaschinen zu produzieren und auf den Markt zu bringen. Prototypen wurden von auswärts erworben und fertig entwickelt. Die Schreibmaschinen trugen den Namen »Cardinal«  Ein technisches Detail wurde in der Werbung herausgestellt: »Typenhebel kugelgelagert« – das sollte die Fingerarbeit beim Schreiben erleichtern. Den Bemühungen der Firma LFS war leider kein Erfolg beschieden. In der Praxis zeigten sich Kinderkrankheiten, die Technik war nicht ausgereift. Die schwierige Lage der Furtwanger Industrie in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg führte auch bei der traditionsreichen LFS 1932 zur Aufgabe der Geschäftstätigkeit.

Josef Ganter